Ratgeber Malerarbeiten: Wand, Decke, Fassade und Boden

Wer renoviert, trifft viele kleine Entscheidungen. Hält die Wandfarbe im Flur das Abwischen aus? Trägt der alte Putz noch einen Anstrich? Die Antworten zu Malerarbeiten sind hier nach den Bereichen geordnet, in denen der Malerfachbetrieb Raymond Klein arbeitet: Wände, Decken, Fassaden und Böden. Zu Fassade und Korkboden gibt es eigene, ausführliche Beiträge.

Wandfarbe: was die Angaben auf dem Eimer bedeuten

Innenfarben werden nach DIN EN 13300 eingeteilt, aktuell in der Ausgabe 2023-02. Im Technischen Merkblatt, oft auch auf dem Eimer, stehen deshalb genormte Klassen. Wer sie lesen kann, vergleicht zwei Farben unabhängig von Werbewörtern wie „hochdeckend“ oder „strapazierfähig“.

Kennwerte von Innenfarben nach DIN EN 13300
KennwertEinteilungWas er im Raum bedeutet
NassabriebklasseKlasse 1 bis 5, Klasse 1 ist die widerstandsfähigstewie gut die Farbe Scheuern und feuchtes Abwischen verträgt
DeckvermögenKlasse 1 bis 4, immer zusammen mit der Ergiebigkeit in m²/lwie gut ein Anstrich den Untergrund verdeckt
Glanzgradglänzend (G1), mittlerer Glanz (G2), matt (G3), stumpfmatt (G4); gemessen unter 60° und 85°wie stark die Wand Licht spiegelt
Reinigungsfähigkeitseit der Ausgabe 2023-02 ein eigenes Merkmal, ohne Klassenob sich Flecken entfernen lassen

Beim Deckvermögen lohnt der zweite Blick. Brillux nennt als Beispiel die Angabe Klasse 1 bei einer Ergiebigkeit von 7 m²/l. Die Klasse gilt also, wenn ein Liter auf sieben Quadratmeter verteilt wird. Wer die Farbe dünner auf mehr Fläche zieht, erreicht diese Deckung nicht sicher. Zur Reinigungsfähigkeit weist Brillux darauf hin, dass Farben ab Nassabriebklasse 3 nicht als reinigungsfähig ausgewiesen werden dürfen.

Welche Klasse sinnvoll ist, hängt vom Raum ab. Im Treppenhaus streifen Jacken und Taschen an der Wand, im Flur Kinderhände und Fahrradlenker. Dort empfehlen wir eine Farbe der Nassabriebklasse 1 oder 2. An der Schlafzimmerdecke scheuert niemand; dort zählt ein ruhiges, stumpfmattes Bild. Je höher der Glanz, desto deutlicher zeigt das Streiflicht vom Fenster jede Unebenheit der Wand.

Für dekorative Oberflächen wie Lasur- und Wischtechniken, Stuck oder Vergoldung gelten eigene Materialien und Arbeitsschritte. Beispiele zeigt die Seite Raumgestaltung.

Vor dem Anstrich: der Untergrund

Die beste Farbe hält nur auf einem tragfähigen Untergrund. VOB/C ATV DIN 18363 nennt die ungeeignete Beschaffenheit des Untergrunds ausdrücklich als Grund für Bedenken des Malers. Welche Prüfungen auf der Baustelle üblich sind, beschreibt das BFS-Merkblatt Nr. 20. Bei Malerarbeiten in Innenräumen geht es meist um diese Fälle:

  • Kreidende Altanstriche: Beim Wischen färbt die Wand ab. Sie wird gereinigt und grundiert, sonst haftet die neue Farbe auf losem Pigment statt auf der Wand.
  • Flecken von Wasserschäden, Nikotin oder Ruß: Sie können durch eine normale Wandfarbe durchschlagen und brauchen einen isolierenden Grund. Bei Wasserflecken muss vorher die Ursache behoben und die Stelle trocken sein.
  • Tapeten: Liegt eine Raufaser fest an, kann sie überstrichen werden. Lösen sich Nähte oder ganze Bahnen, kommt sie herunter.
  • Frischer Putz und Gipsplatten: Sie saugen oft ungleichmäßig. Eine Grundierung gleicht das aus, damit der Anstrich ohne Flecken und Ansätze trocknet.

An der Außenwand kommen Regen, Frost und Algen dazu. Wie der Untergrund dort geprüft wird und welche Farbe auf welchen Putz passt, beschreibt der Beitrag Fassadenanstrich Schritt für Schritt.

Fassade: Farbe nach Putz und Altanstrich wählen

„Die Hausfassade ist in erster Linie die Visitenkarte des Hauses“, heißt es auf unserer Seite über Fassaden. Ihr Anstrich hat zugleich eine Schutzaufgabe: Er soll Schlagregen abweisen und Feuchte aus der Wand entweichen lassen. Beides ist in DIN EN 1062-1 in Klassen beschrieben. Ob Silikat-, Siliconharz- oder Dispersionsfarbe passt, entscheiden Putz und Altanstrich.

Wird der Außenputz großflächig erneuert statt nur gestrichen, kommen energierechtliche Anforderungen dazu. Zur Fassadengestaltung beraten wir computerunterstützt, zur Wärmedämmung berät Malermeister Raymond Klein als Energieberater; mehr dazu auf der Seite Fassadengestaltung und Wärmedämmung.

Fußböden: Belag nach Raum und Nutzung wählen

Der Malerfachbetrieb verlegt Teppich, Kork, Parkett, Laminat und PVC. Bei elastischen, textilen und Laminatbelägen beginnt die Wahl mit der Nutzungsklasse nach DIN EN ISO 10874, die im Datenblatt steht. Die Klassen 21 bis 23 gelten für Wohnräume, 31 bis 34 für gewerbliche und 41 bis 43 für industrielle Nutzung.

Danach kommen die Fragen, die auf unserer Seite über Bodenbeläge schon anklingen. Liegt eine Fußbodenheizung darunter? Rollen Bürostühle darüber? Wie viel Pflege ist im Alltag realistisch? Für Kork beantwortet sie der Beitrag Korkboden im Alltag, vom Estrich bis zur Stuhlrolle.

Decken: Anstrich oder Spanndecke

Eine Decke mit Rissen, Flecken oder alten Platten muss nicht immer gespachtelt und gestrichen werden. Ob sich der Anstrich lohnt, zeigt das Streiflicht: Wo es Risse und Spachtelstellen deutlich hervorhebt, wird eine gestrichene Decke aufwendig. Beim Streichen laufen die letzten Rollbahnen parallel zum einfallenden Licht, damit keine Ansätze sichtbar bleiben. Die Alternative ist eine Spanndecke: Eine Folie oder ein Gewebe wird unterhalb der bestehenden Decke in Randprofile gespannt. Welche Oberflächen sie bietet, zeigt die Seite Spanndecken.

Malerarbeiten und Boden: die richtige Reihenfolge

Wer mehrere Arbeiten in einem Raum plant, vermeidet mit der richtigen Reihenfolge Nacharbeit. Sie folgt einer einfachen Regel: Was tropft oder staubt, kommt vor dem, was geschützt werden muss.

  1. Vorbereiten: Möbel räumen oder abdecken, Böden schützen, Untergründe prüfen und ausbessern.
  2. Decke: Sie kommt zuerst, damit Tropfen und Spritzer auf noch unbehandelte Wände fallen.
  3. Wände: Tapezieren, Anstrich oder dekorative Technik.
  4. Lackierarbeiten an Türen, Heizkörpern und Fensterrahmen.
  5. Boden: Der neue Belag kommt, wenn nichts mehr tropft und keine Leiter mehr darauf steht.
  6. Sockelleisten: Beim schwimmend verlegten Boden decken sie die Randfuge ab und kommen deshalb zum Schluss.

Bei einem neuen Estrich verschiebt sich der Plan. Der Boden folgt erst, wenn die Feuchtemessung die Belegreife zeigt. Bis dahin lassen sich Decke und Wände fertigstellen.

Normen und Quellen